Stromanteil im Regelsatz reicht nicht aus

07. August 2013

Caritas-Studie zur Energiearmut

Exklusive Zahlen des Deutschen Caritasverbandes belegen, dass es für arme Haushalte deutlich schwieriger wird, die Stromrechnungen zu bezahlen. Damit droht Energiearmut.

Bezieher von Arbeitslosengeld II sind davon in besonderem Maße betroffen: Der Stromanteil im Regelsatz müsste heute nach aktuellen Berechnungen der Caritas um 27 Prozent erhöht werden – dies macht bei einem Ein-Personen-Haushalt 9,26 Euro im Monat aus. Ermittelt wurde diese Zahl durch die Untersuchung von Verbrauchsdaten von 80.000 einkommensarmen Haushalten, die in den vergangenen Jahren durch das Projekt "Stromspar-Check" zum Energiesparen beraten wurden.

Infografik: So setzt sich der Hartz-IV-Regelsatz für einen Alleinstehenden zusammen. Hervorgehoben darin der Anteil für Strom: "So viel braucht ein Hartz-IV-Empfänger für Strom."

Der Regelbedarf geht davon aus, dass ALG-II-Empfänger den gleichen Strombedarf haben wie die 15 Prozent der Haushalte, die die unterste Einkommensgruppe bilden. Doch die Auswertung der Daten aus dem Stromsparcheck zeigt: Ein-Personen-Haushalte im Grundsicherungsbezug verbrauchen durchschnittlich 165 kWh mehr im Jahr. "Der Stromverbrauch von ALG-II-Empfängern ist unter anderem deshalb höher, weil sie häufiger zuhause essen und tagsüber öfters zuhause sind", macht Caritas-Generalsekretär Georg Cremer deutlich. Hier sollte der tatsächliche Bedarf in einer Sonderauswertung berechnet werden.
 
"Arme Haushalte sollen dabei unterstützt werden, energiesparende Geräte zu beschaffen.Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Energiewende", betont Cremer. Auch muss der Regelsatz rechtzeitig an die gestiegenen Strompreise angepasst werden.

Ein drückendes Problem sind Stromsperren bei armen Haushalten. Die Allgemeine Sozialberatung der Caritas erfährt dies in ihrer täglichen Arbeit. "Es bringt Menschen in eine entwürdigende Situation, wenn sie im Dunkeln sitzen, nicht kochen und keine Wäsche waschen können", so Cremer. Trotz Schulden bei den Stromanbietern muss die Versorgung gesichert sein, beispielsweise mit einem Prepaid-Zähler, fordert Cremer.

Sie finden die Stellungnahme, die Ergebnisse der Studie und einen Kommentar des DCV-Präsidenten Peter Neher auf den Internetseiten des Deutschen Caritasverbandes:
caritas.de/fuerprofis/fachthemen/sozialpolitik/energiearmut

10 Jahre Stromspar-Check – alles zum Jubiläum!

Vor zehn Jahren startete das Projekt Stromspar-Check in knapp 60 Standorten, mittlerweile gibt es den Stromspar-Check in mehr als 150 Städten und Landkreisen. Wer wie wo unser 10-Jähriges feiert, das sehen Sie hier.