Stromsperren: Caritas erwartet mehr Energieschulden im Herbst und Winter

Die Hürden für Stromsperren müssen deutlich erhöht werden, damit Menschen nicht im Dunkeln sitzen ...

Foto: Portrait Marlene Potthoff, Deutscher Caritasverband

Foto: Marc Pippinger

06.11.2020 | Die Hürden für Stromsperren müssen deutlich erhöht werden, damit im Herbst und Winter Menschen mit Energieschulden nicht im Dunkeln sitzen, fordert der Deutsche Caritasverband (DCV). Bei Sozialleistungsbezügen müssen dringend die tatsächlichen Ausgaben für Energie berücksichtigt und die Regelleistungen entsprechend angepasst werden.

In diesem Jahr werden wegen der Coronakrise deutlich mehr Menschen von Energiesperren betroffen sein, wenn nicht gehandelt wird, so die Befürchtung des DCV. "Kein Strom bedeutet ein Leben ohne elektrisches Licht, ohne Elektroherd, ohne Mikrowelle, ohne Zentralheizung und ohne Telefon. Abgehängt sind Kinder im doppelten Wortsinn, wenn der Strom gekappt wird und sie zuhause am Computer ihre Hausaufgaben nicht erledigen können", sagt Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Sozialpolitik des DCV.


Enzyklika Fratelli Tutti

Sie verweist dabei auf die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus, der betont: Der Reichtum wachse, aber auf ungleiche Weise und es entstehen neue Formen der Armut. In anderen Zeiten war die Tatsache, dass man keinen Zugang zu elektrischer Energie hatte, kein Zeichen von Armut. "Heute entscheidet sich der Zugang zum Leben am Zugang zur Steckdose," so Welskop-Deffaa.

Strompreis steigt – einkommensschwache Haushalte besonders betroffen

Die Energieversorgung von Haushalten ist Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Dabei steigen die Kosten hierfür seit Jahren. Besonders hart treffen Kostensteigerungen diejenigen, die Sozialleistungen beziehen sowie Haushalte, die gerade so viel Einkommen erwirtschaften, dass sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Verstärkt betrifft dies jetzt auch Menschen, denen durch die Corona-Pandemie Einnahmen weggebrochen sind.

Mehr Zuhause – mehr Energiekosten

"Erschwerend kommt hinzu, dass unter Corona-Bedingungen viele Menschen mehr Zeit im Homeoffice und auch in der Freizeit zuhause verbringen. Der Verbrauch an Haushaltsenergie ist daher gestiegen", so Welskop-Deffaa. Mit den Stromsperren könne es schnell gehen, wenn die Rechnungen mal nicht bezahlt und vor allem, wenn große Beträge als Nachzahlung gefordert werden, weil die Abschläge den gestiegenen Stromverbrauch nicht decken. Schnell seien Betroffene mit mehr als 100 Euro im Rückstand. Energieversorger können dann schon vier Wochen nach einer Mahnung mit Ankündigung den Strom eines Haushaltes abschalten.

Haushalte die Sozialleistungen beziehen, sollten überall mit kostenlosen Energiesparberatungen unterstützt werden, wie sie u.a. vom Caritas-Projekt Stromspar-Check angeboten werden, so Welskop-Deffaa.

Hintergrund

  • Knapp 290.000 Haushalten wurde in 2019 der Strom abgestellt. In 2019 gab es 4,8 Mio. Sperrandrohungen, rund 911.000 mündeten in eine Sperrbeauftragung, durchschnittlicher Zahlungsrückstand bei Sperrandrohung: 131 Euro (Vorläufige Zahlen aus dem kommenden Monitoringbericht 2020 der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes)
  • Prämie bei Wechsel des Stromanbieters wird auf den Regelsatz angerechnet. (Bundessozialgesetzurteil vom 14.10.2020)

Unter der Überschrift "Damit die Pandemie nicht in die Schuldenfalle führt!" stehen in diesem Jahr die "Armutswochen 2020" der Caritas in ganz Deutschland, zwischen dem UN-Tag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober und dem päpstlichen Welttag der Armen am 15. November.

>> Pressemitteilung des Deutschen Caritasverbandes vom 6. November 2020, hier im Original zu finden. <<

Telefon, Video-Chat und Sprechstunde: neue Beratungsangebote

Der Besuch zuhause ist der Normalfall in unserem Angebot. Zusätzlich zur persönlichen Beratung im Haushalt bieten unsere lokalen Stromspar-Check-Büros aber auch telefonische Beratungen oder offene Sprechstunden (beispielsweise im Sozialkaufhaus) an, fallweise auch Video-Chats ... [weiterlesen]